Alexander – Erinnerungen an die Kindergartenzeit – “Utdanningsnytt” 04/2015

Der Held im Kindergarten

Für Alexander Rybak waren die Feiern das Beste am Kindergarten. Dann konnte er Held sein.

Text zum Foto: Alexander Rybak spielte nicht nur im Kindergarten in Weißrussland, er lernte dort auch Lesen und Schreiben. – ich habe mir die Dinge immer schwer erarbeitet. Darum habe ich heute auch Erfolg, sagt er.

Veröffentlicht in Utdanningsnytt 4/2015 und utdanningsnytt.no  am 21.12.2015. Text/Foto: Bente Bolstad

Deutsche Übersetzung: Uta Bensel

– Die Feiern! An die Feiern im Kindergarten erinnere ich mich am besten. Wir verkleideten uns, feierten Fasching und hatten viel Spaß, sagt Alexander Rybak (29), der vom ersten bis fünften Geburtstag den Kindergarten in Weißrussland besuchte. Anschließend besuchte er einen Kindergarten mit kulturellem Schwerpunkt.

War der Beste

In diesem Kindergarten musste jeder ein Instrument spielen. Alexander begann Klavier zu spielen und wurde als bester ausgezeichnet.

– Als Preis erhielt ich die schönste Maske, die ich dann im Fasching trug. Und in der Handlung spielte ich dann den Helden. Auch das war Teil der Belohnung für mein Klavierspiel.

Alexander Rybak facts utdanningsnytt 4 2015In diesem Herbst debütierte Alexander mit seinem Kinderbuch „Trolle und die Zaubergeige“. Und die Geige war es auch, mit der Alexander selbst sein Publikum verzauberte, als er im Alter von 23 Jahren beim Eurovision Song Contest mit dem höchsten Punkteergebnis aller Zeiten siegte. Alexander hatte sowohl den Text als auch die Musik des Songs selbst geschrieben.

Lesen und Schreiben gelernt.

Alexander wurde 1986 in Minsk in der damaligen Sowjetunion geboren. Als er nach Norwegen zog, wurde die Sowjetunion aufgelöst und Minsk wurde zur Hauptstadt Weißrusslands.

In Weißrussland lernte er im Kindergarten lesen und schreiben und es herrschte dort eine Disziplin, die ganz anders war als die, die er später in Norwegen erlebte.

– Aber ich empfand den Kindergarten dort nie als streng. Ich kannte es nicht anders, erzählt Alexander.

Die ersten beiden Jahre wurde (in der norwegischen Schule) mehr gespielt als im Kindergarten in Weißrussland.

Der Tannenbaum im Kindergarten

Alexander berichtet, dass er gar nicht wusste, wie es war, nicht gut in der Schule zu sein. Er war in fast allen Fächern gut. Die Familie konnte sich nicht viel leisten, sie lebte mit einer anderen Familie auf wenigen Quadratmetern. Die meisten Leute, die sie kannten, lebten genauso. In der engen Wohnung war kein Platz für einen Tannenbaum. Aber im Kindergarten war Platz dafür und der Baum war riesig.

– Ich habe gute Erinnerungen. Es gab viel Unterricht und viel Lernen, aber es gab auch tolle Feiern, wie Fasching und Weihnachten mit Tannenbaum, erinnert sich Alexander.

Disziplin

Der Umzug nach Norwegen brachte großer Veränderungen mit sich. Der größe Unterschied war die Disziplin.

– Ich zog nach Norwegen und kam nach einiger Zeit in die Schule. Alles war so einfach. Ich genoss die Freiheit in der norwegischen Schule. In den beiden ersten Schuljahren wurde dort mehr gespielt als im Kindergarten in Weißrussland, sagt Alexander.

Er lernte auch ziemlich schnell norwegisch. Er erinnert sich dabei an eine Begebenheit. Die Klasse sollte in einem Buch mit Kurzgeschichten eine halbe Seite lesen. Alexander gefiel das Buch und war am nächsten Tag mit dem ganzen Buch fertig.

Der Lehrer war darüber ein wenig verärgert, besonders als er (Alexander) den anderen Kindern verriet, welche Geschichten die lustigsten waren.

– Ich wurde dafür gescholten, weil ich zu schlau war. In Weißrussland würdigte man stattdessen die positiven Eigenschaften und teilte diese auch mit den anderen.

Der 23 Jahre alte Alexander verzauberte ganz Europa mit seinem Gesang und seiner Geige beim internationalen Finale des Eurovision Song Contest mit dem Lied Fairytale. Foto: Scanpix

Jeder hat Talent

Nach dem Eurovisionsmärchen ist Alexander unter anderem viel herumgereist und hat mit Kindern Musikseminare veranstaltet, die jeweils mit einem Konzert enden, auf denen er mit den Kindern singt und musiziert.

– Jeder hat Talent. Einige Leute haben einen grünen Daumen, andere können schnell rennen, einige sind musikalisch. Jeder Mensch sollte stolz sein und seine Stärken ausbauen, sagt er.

In seiner Kindheit hatte er viele Gelegenheiten, sich musikalisch zu entwickeln. In Weißrussland besuchte er einen musikalischen Kindergarten, wo er Musiktheorie lernte. Außerdem erhielt er sowohl im Klavier- als auch im Geigenspiel privaten Unterricht.

Die Konzerte, die er mit Kindern aus den USA, Schweden und Norwegen gab, brachten ihn darauf, schließlich ein Kinderbuch zu schreiben. „Trolle und die Zaubergeige“ wurde in diesem Herbst veröffentlicht.

Wenn der Russe nicht lächelt, ist er mürrisch. Wenn der Weißrusse nicht lächelt, ist er melancholisch.

Das Tor zur Musik öffnen

– Wie können Vorschullehrer das Interesse der Kinder an Musik fördern?

– Es ist wichtig, im frühen Alter das Interesse an Musik zu wecken. Ihnen die unterschiedlichen Genres von Musik auf pädagogische Weise näher zu bringen, z.B. indem sie mein Buch lesen, sagt Alexander und grinst.

Du bist neulich in Weißrussland gewesen. Was gefällt dir an seiner Geburtsstadt am besten?

– Weißrussland ist ein kleines Land, es ist milder als in Russland. Wir sagen oft, dass Russen, wenn sie nicht lächeln, mürrisch sind, während Weißrussen, die nicht lächeln, melancholisch sind. Es wird viel darüber gesprochen, dass Weißrussland eine Diktatur ist. Ich sollte vorsichtig damit sein, politische Statements abzugeben. Aber jeder, der schon einmal in Weißrussland war, ist positiv überrascht. Wir haben eine wunderschöne Natur und großartige Mädchen, sagt Alexander, der heutzutage zwischen beiden Ländern pendelt. Vor kurzem gründete er eine Mädchenband in Weißrussland und wird später gemeinsam mit ihr Konzerte geben.

-Ich fühle mich hier mehr zu Hause als in Norwegen, sagt Alexander.

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